Simon Rinke
Product & Sales
Ich habe vor ein paar Tagen einfach mal wahllos durch meine Fotos vom Oktober gescrollt und bin beim Ostdeutschen Energieforum in Leipzig hängen geblieben.
Sehr gutes Programm, ein Workshop an dem Tag ging um die zukünftige Fernwärmeversorgung. Vorgestellt haben die Leipziger Stadtwerke sowie die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH. Aber der Vortrag, der mir bis heute im Kopf geblieben ist, war der von drei Stadtwerken aus der Lausitz: Stadtwerke Weißwasser GmbH, Stadtwerke Hoyerswerda GmbH und Städtische Werke Spremberg (Lausitz) GmbH.
Die haben jahrzehntelang ihre Wärme direkt von der LEAG bezogen. Dank der Kohlekraftwerke um die Ecke war die Wärme ja sowieso über. Jetzt kündigt die LEAG den Vertrag, und auf einmal stehen drei Versorger vor der Frage, wie sie die Wärmeversorgung für rund 60.000 Menschen in einer strukturschwachen Region komplett neu aufbauen. Ich ziehe da wirklich den Hut vor den Verantwortlichen und diesem Projektumfang.
Die eigentliche Frage ist, ob drei mittelständische Stadtwerke die organisatorische und finanzielle Kraft aufbringen, das alles zu stemmen. Der Vortrag war aber keine Mitleidsbekundung. Thematisch ging es natürlich um den Anlagenpark, der dort nun entstehen soll, um die Versorgungsaufgabe künftig selbst zu erfüllen. Es geht also vorwärts!
Auf einer der Folien standen Wärmepreise von heute 13 bis 16 ct/kWh, in vier Jahren möglicherweise bis zu 22 ct/kWh. Ich bin mir sicher, dass ähnliche Themen und Probleme bei vielen Versorgern gerade auf dem Tisch liegen. Der Unterschied ist nur, ob der Druck auch so offen kommuniziert wird.
Meiner Meinung nach hängt noch zu viel an Gas als Hauptdarsteller oder Backup. Viele Netze haben Temperaturniveaus, die sich mit Wärmepumpen allein schlicht nicht stemmen lassen. Unsere Infrastruktur ist meistens noch nicht bereit für 50 °C Vorlauf und den Komplettumstieg auf andere Wärmeerzeuger. Das wird noch spannend.